Rückblick Abschlusstagung

Unsere Abschlusstagung liegt nun bereits einen Monat zurück – Zeit, einen Blick auf diesen inhaltsreichen Tag zu werfen.

Das SprachNetz-Team kam am Morgen des 08. Mai 2026 in den Franckeschen Stiftungen zusammen, um sich digital mit bis zu 60 Teilnehmenden zu vernetzen und über diverse Themen – vom kindlichen Spracherwerb über Förderdiagnostik bis hin zu Rehabilitation – zu beschäftigen, alles unter dem Motto „Digitale Zusammenarbeit und Partizipation“.

Der Fokus lag sichtlich auf der Interdisziplinarität. Dabei traten Vorteile, beispielhafte Projekte und Formate, aber auch Herausforderungen zutage, welche sich in diversen Gesundheits- sowie Bildungsbereichen wiederfinden. Dass Zusammenarbeit und explizit digitale Vernetzung über Fachbereiche, Fakultäten etc. hinaus an Bedeutung gewinnen und gewinnen sollten, machten die Beiträge aller Vortragenden deutlich. Nach einer kurzen Tagungseröffnung stellten der Projektleiter Prof. Dr. Stephan Sallat das SprachNetz (– Digitales Netzwerk Sprache, Bildung, Förderung) sowie im Anschluss daran Jun.-Prof.‘in Dr. Maren Eikerling den ViRuTi (Digital vernetzt am Virtuellen Runden Tisch – eine Fallsimulation) und Jana Liesegang Digitale Lehr-Lernangebote (Partizipation durch digitales Selbstlernmaterial) vor. Es folgten Beiträge von Clara Schwarzenberg zu Elternperspektiven auf die eigene Rolle in der transdisziplinären Versorgung, von Corinna Bliedtner-Ziegenhagen zur Digital-interdisziplinären Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Förderdiagnostik, Kinder- & Jugendlichenpsychotherapie und –psychiatrie sowie von Dr.‘in Anja Fengler zum Thema Mehr als Technik: Wie Teamarbeit die Teilhabe von CI-Patient:innen nachhaltig fördert. Nach einer gemeinsamem Mittagspause berichtete Dr. Christoph Till von  Interdisziplinärer Zusammenarbeit bei Sprach-, Sprech- und Kommunikationsauffälligkeiten im Schweizer Schulkontext, Prof.‘in Dr. Anja Starke über Zusammenarbeit und Partizipation bei Selektivem Mutismus und Prof.‘in Dr. Stephanie Rupp  zum Thema Kooperation wirksam gestalten: Wie Familie, Beziehung und Organisation zusammenwirken – Impulse für die Sonderpädagogik. Nach einer Kaffeepause lieferten Prof. Dr. Andreas Seidel und Prof. Dr. Thorsten Meyer-Feil Perspektiven auf die Zusammenarbeit und Partizipation in der Sozialpädiatrie (Seidel) sowie in der medizinischen Rehabilitation (Meyer-Feil).

Clara Schwarzenberg sprach davon, dass Fachkräfte aus Bildung und Gesundheit Sorgeberechtigte mit ins Boot holen sollten, um verantwortungsvoll und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Dabei können digitale Lernplattformen und -bausteine, von denen Jana Liesegang berichtete, eine gute Basis für geteilten Informationsaustausch bieten. Sorgeberechtigte haben somit die Möglichkeit, eigenverantwortlich, flexibel und kostenfrei zu lernen und dadurch gut informiert an der Entscheidungsfindung für Förderungs- und Therapieplanung teilhaben zu können. Diese Form der partizipativen Förderplanung kann sich dabei nicht nur selbstwirksam und empowernd für Sorgeberechtigte anfühlen. Auch Fachkräfte werden davon profitieren, wenn sie die Expert:innen ihrer Klient:innen – die Sorgeberechtigten der Kinder – in Bildungs- und Therapieprozesse inkludieren.

Um generell bereits überlasteten Fachkräften den Weg zur transdisziplinären Vernetzung so niedrigschwellig und zeitsparend wie möglich zu ebnen, kann, wie Prof. Dr. Sallat aufführte, die  SprachNetz-Plattform dienen. Diese vereint digitale Vernetzung und Austausch – asynchron durch die Chatfunktion und die auszufüllenden Fragebögen zur Erhebung des Sprachstandes sowie synchron im Virtuellen Runden Tisch. Corinna Bliedtner-Ziegenhagen zeigte auf, dass die Vorteile digitaler Zusammenarbeit auch im Bereich der Förderdiagnostik sowie der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und -psychiatrie vom Fachpersonal selbst wahrgenommen werden und gegenüber den bestehenden Herausforderungen – wie Datenschutz oder die Sorge vor der Bewältigbarkeit digitaler Herausforderungen – deutlich überwiegen.

Prof. Dr. Seidel gab uns dann einen Einblick in die Sozialpädiatrie und wie sich dort interdisziplinäre Vernetzung im Rahmen multidisziplinärer Bereichsdiagnostik sichtbar macht. Sozialpädiatrische Zentren bieten dabei ein gutes Beispiel, weil therapeutisch-medizinische Versorgung und soziale Betreuung der Kinder vor Ort ambulant mit den Familien gemeinsam gedacht wird und psychotherapeutische sowie soziale Perspektiven aktiv durch Einbeziehung entsprechender Fachkräfte mitbedacht werden. Das Kind, dessen Bedürfnisse und vor allem dessen gesundheits- und bildungsbezogene Teilhabe stehen dabei im Fokus. Den Bezug zur ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health; dt. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) stellt dabei nicht nur Andreas Seidel mit dem Blick auf die Sozialpädiatrie her. Auch Prof. Dr. Meyer-Feil geht mit Fokus auf Interdisziplinarität in der medizinischen Rehabilitation auf die ICF ein. Auch er macht deutlich, dass die ICF nicht nur die Perspektiven verschiedener Fachbereiche inkludiert, sondern konkrete Handlungsempfehlungen und Zielformulierungen zur Verfügung stellt, die eine transdisziplinäre Arbeit deutlich erleichtern können. ICF-orientiertes Arbeiten und Digitalisierung ermöglichen nicht nur mehr Selbstbestimmung und Teilhabe betroffener Kinder und Familien, sondern auch gelingende Kooperation, Selbstermächtigung diverser Fachdisziplinen innerhalb eines Teams und eine funktionale Gesundheit.

Um den Tagungsbericht mit einem von Prof. Dr. Meyer-Feil aufgeführten und vielversprechenden Zitat abzuschließen:

„When health workers collaborate together, something is there that was not there before.“
(WHO, 2010, S. 36)

Das SprachNetz-Team wünscht allen ein gelingendes transdisziplinäres Zusammenarbeiten!

Quelle:
World Health Organization (WHO). (2010). Framework for Action on Interprofessional Education and Collaborative Practice. Geneva: WHO.


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